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Radonbelastung in der Bodenluft Bisher wurde dieses Thema kaum besprochen.In Landau und Insheim gibt es Schadensmeldungen mit deutlich erhöhten Radonkonzentrationen (bis1800 Bq/m3 in Gebäuden). Das sind sind bis zu 18 fache Überschreitungen des Richtwertes. Welcher Einfluss wird durch den Bau des Kraftwerkes auf die Radonkonzentration in der Bodenluft und in Gebäuden in Trebur,Geinheim usw erwartet? Ist in den Vorzugsgebieten eine Messreihe zur Klärung der Ausgangssituation vorgesehen?

Eingesandt von Reinhard Silge, 17.02.2013

Ihre Frage wurde beantwortet von Dr. Ing. Horst Kreuter, Geschäftsführer von GeoT

Landau und Insheim liegen am Rand des Oberrheingrabens im Bereich von Staffelbrüchen, die das Grundgebirge gegen die grabenfüllenden Sedimente versetzen. Entlang dieser Störungen steigt aufgrund der erhöhten Wegsamkeit vermehrt Radon aus dem tiefen Untergrund an die Oberfläche auf. Auf der Karte des geologischen Dienstes des Landes Rheinland-Pfalz ist der Verlauf der Störungen im Untergrund nachgezeichnet. Diese Konzentration der Radonbelastung ist rein natürlich bedingt.

Die Karten des Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie (HLUG) zu den Radonkonzentrationen im Raum Groß-Gerau zeigen keine erhöhten Radonkonzentrationen zu denen im Rest des hessischen Oberrheingrabens. Die laut den Messwerten von HLUG zu erwartende natürliche Radonkonzentration in der Bodenluft beträgt zwischen 10 und 50 kBq/m3. Die Karte zu Landau gibt ein lokal hohes Radonpotenzial >100 kBq/m3 an. Dieses betrifft die Bodenluft. In Kellern kann die Konzentration je nach Abdichtung und Lüftung lokal höher sein. Informationen dazu findet man auf den Webseiten des Bundesamt für Strahlenschutz (http://www.bfs.de/de/ion/radon).

Karte Rheinland-Pfalz: www.lgb-rlp.de/radonprognosekarte.html
Karte Hessen: http://atlas.umwelt.hessen.de/servlet/Frame/atlas/radioakt/radon_txt.htm

Kommentare

  • 13
    Mär

    Dr. Ing. Horst Kreuter, Geschäftsführer von GeoT

    Radon im Untergrund und in Gebäuden
    Bedeutung des Radons im Zusammenhang mit dem Geothermieprojekt im Raum Groß-Gerau

    Radon im Untergrund:
    Radon kommt in der Natur überall vor. Die Konzentration variiert dabei in Abhängigkeit von der geologischen Situation. In Gebieten in denen das Grundgebirge an die Oberfläche dringt, wie z.B. dem Odenwald, dem Erzgebirge und dem Voralpenraum, sind die Konzentrationen in der Bodenluft größer 100kBq/m³. In anderen Gebieten, wie Groß-Gerau und dem Oberrheingraben, liegt, durch die Überdeckung des Grundgebirges mit mächtigen tertiären und quartären Sedimenten, die Konzentration des Radons in der Bodenluft zwischen 20 und 40 kBq/m³, wie die Karten des Bundesamtes für Strahlenschutz zeigen.
    Die Theorie, dass durch verstärkte Rissbildung im geothermischen Reservoir des Rotliegenden in etwa 3000 m Tiefe eine höhere Konzentration in der Bodenluft zu erwarten ist, ist rein spekulativ. Die mächtige Überlagerung und undurchlässige Trennschichten zwischen verschiedenen Grundwasserleitern verlangsamen den Aufstieg. Dazu kommt, dass aufsteigendes Radon beim Durchgang durch verschiedene Grundwasserleiter verteilt wird. Eine bemerkenswert höhere lokale Anreicherung in der Bodenluft ist deshalb nicht zu erwarten.

    Radon in Gebäuden:
    In Gebieten mit natürlich hoher Radonkonzentration in der Bodenluft, ist eine Anreicherung in abgeschlossenen Räumen bis auf langfristig schädliche Konzentrationen möglich. Diese Anreicherungen lassen sich durch bauliche Maßnahmen (Abdichtung gegen den Untergrund und Lüftung) unabhängig von der in der Bodenluft angetroffenen Konzentration verhindern. Die Fragestellung der Abdichtung und Lüftung ist von größerer Bedeutung für die Gefährdung als die Konzentration in der Bodenluft.

    Radonmessung:
    Die Messung ist mit passiven Messgeräten, so genannten Exposimetern, möglich. Diese werden in mehreren Räumen eines Hauses aufgestellt. Die Messdauer beträgt üblicherweise 3-12 Monate. Es ist dringend angeraten einen kompletten Jahresgang zu messen, da der Mittelwert aus der belüfteten Zeit (Sommer) und der unbelüfteten Zeit (Winter) der Räume gebildet wird.

    Vorgehen (Vorsorge):
    Ein Anstieg der natürlichen Radonkonzentration in der Bodenluft ist durch die Aktivitäten der ÜWG nicht zu erwarten, dennoch wird ÜWG Vorsorge treffen:
    • Zunächst wird die Fragestellung der Radongefährdung mit der zuständigen Fachbehörde, dem Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie besprochen. Gegebenenfalls können im Rahmen der Landesüberwachung Messdaten im Gebiet des geplanten Geothermiekraftwerks aufgenommen werden.
    • In Abhängigkeit von der Einschätzung der Landesbehörde und deren Möglichkeiten Messdaten zu erheben, prüft die ÜWG eine eigene Messreihe an einigen ausgewählten Standorten durchzuführen.
    • Der Beirat wird in die Diskussion einbezogen und über die Ergebnisse der Diskussion mit dem HLUG informiert.

  • 07
    Mär

    Reinhard Silge aus Trebur

    Danke für die weiterführenden Informationen. Da also die vorhandene niedrige Datendichte nur einen groben Überblick zu den Radonkonzentrationen im Kreis Groß-Gerau erlaubt und das Ausmaß von Erdbeben sich nur durch Vergleichsmessungen (vorher-nachher) nachweisen lässt, ist es um so notwendiger jetzt (!) die notwendige Datendichte zu realisieren und entsprechende Messungen zu veranlassen. Meine Frage dazu nochmal: Ist in den Vorzugsgebieten eine Messreihe zur Klärung der Ausgangssituation vorgesehen?
    In Landau wurden solche Messstellen erst nach den Schadensmeldungen aufgestellt. Im Kreis Groß Gerau sollten aus meiner Sicht bereits zeitig genug ausreichend Messstellen eingerichtet werden, bevor gebohrt wird.
    Ich bitte an dieser Stelle auch um Unterstützung seitens des Beirates.

  • 06
    Mär

    Dr. Ing. Horst Kreuter, Geschäftsführer von GeoT

    Die Frage nach der genauen Höhe der natürlichen Radonkonzentration in der Bodenluft an einem bestimmten Standort können wir ohne eine Messung vor Ort nicht beantworten. Die veröffentlichten großräumigen Karten zur Radonbelastung können dazu aufgrund der noch relativ niedrigen Datendichte nur einen groben Überblick geben. Die Messungen sind nicht trivial und einfach durchzuführen, da man über einen relativ langen Zeitraum hinweg messen muss.

    Vereinzelte kleine induzierte Erdbeben werden die Radonbelastung in einem Gebiet mit immer wieder auftretenden natürlich vorkommenden Erdbeben wie Groß-Gerau sicher nicht wesentlich beeinflussen können. Wir gehen daher davon aus, dass die Radonbelastung in der Region Groß-Gerau durch das Geothermiekraftwerk und einer unter Umständen damit verbundenen induzierten Seismizität nicht erhöht wird. Letztere wollen wir alleine schon aus Immissionsschutzgründen bezüglich der Erschütterung vermeiden. Ob und in welchem Ausmaß die Radonkonzentration durch Erdbeben (seien es natürliche oder induzierte) kurzfristig sich erhöht lässt sich abschließend nur durch Vergleichsmessungen (vorher-nachher) nachweisen.

    Was das Gesundheitsrisiko durch Radonbelastung anbelangt und welche Vorkehrungen bzw. Schutzmaßnahmen getroffen werden können, kann man auf den Internetseiten des Bundesamt für Strahlenschutz (http://www.bfs.de/de/ion/radon) nachlesen.

    Grundsätzlich lässt sich zum Radonvorkommen sagen, dass Radon überall in der Bodenluft vorkommt und die Langzeit-Belastung von Hausbewohnern eher von der baulichen Ausführung des Bauwerks (Isolierung des Gebäudes und Lüftung) abhängt, als von der in der Bodenluft vorkommenden Radonkonzentration. Ein gut abgedichtetes und gut belüftetes Gebäude in einem Gebiet mit hoher Radonkonzentration ist weniger belastend als ein schlecht abgedichtetes und ungelüftetes Gebäude im Gebiet geringer Radonkonzentration. Die Radonkonzentrationen in Gebäuden sind im Sommer viel geringer als im Winter, weil im Sommer die Fenster offen sind und in der Heizperiode eher geschlossen. Niedrigenergiehäuser zeigen meist höhere Radonkonzentrationen im Gebäude, da der Luftaustausch mit der Außenluft aus Energiespargründen reduziert ist.

  • 28
    Feb

    Unbekannt

    Meine beiden konkreten Fragen wurden leider nicht beantwortet.
    Die Radonprognosekarte von Rheinland Pfalz weist für Landau und auch für das Territorium bis zur Kreisgrenze von Groß Gerau (linksrheinisch) eine natürliche Radonkonzentration in der Bodenluft >100kB/q³ aus. Damit wird also mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Zeit auch rechts des Rheins in Trebur, Geinsheim, Wallerstädten, Groß-Gerau die natürliche Radonkonzentration in der Bodenluft >100kBq/m³ sein.
    Nun ist es aus meiner Sicht schon sehr wichtig zu wissen wie viel mehr als 100kBq/m³ in den ausgewiesenen Bohrgebieten die natürliche Radioaktivität zum gegenwärtigen Zeitpunkt beträgt.
    Und, welche Erhöhung wird wird das geplante Kraftwerk und die damit verbundenen seismischen Aktivitäten bringen (Erweiterung von Spalten im Untergrund durch induzierte Erdbeben).

    Diese Fragestellungen sind umso dringender zu berücksichtigen, wenn man beachtet, dass bereits dauerhafte Belastungen über 100 Bq/m³ (nicht kBq/m³ !!) für den Menschen eine signifikante Erhöhung des Lungenkrebsrisikos zur Folge haben.


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