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20.03.2013

Viertes Bürgerforum: Dialog mit Betroffenen

Am Dienstag 19. März 2013 diskutierten rund 120 Bürgerinnen und Bürger intensiv in der Stadthalle mit Betroffenen und Kritikern über die tiefe Geothermie. Die zentrale Frage im Rahmen des Bürgerdialogs „DialoGGeo“ war: Was kann aus anderen Projekten gelernt werden? Die Präsentationen finden Sie unter dem Menupunkt Medien

Für das vierte Bürgerforum zum Geothermieprojekt der ÜWG hatten der Beirat und die neutrale Stiftung Risiko-Dialog verschiedene Anwohner und Vertreter kritischer Bürgerinitiativen eingeladen, um mit ihnen die tiefe Geothermie zu diskutieren. Ziel war es, von anderen Projekten zu lernen und die Fragen der Bürgerinnen und Bürger aus der Region Groß-Gerau zu erörtern. Bereits am vorherigen Bürgerforum im Februar 2013 hatte eine Bürgerinitiative referiert, die sich für einen sicheren und sauberen Betrieb des Geothermiekraftwerks in ihrer Kommune einsetzt. Das gestrige Bürgerforum stand nun ganz im Zeichen von Betroffenen.

Intensive Diskussion und klare Forderungen
Nach einer kurzen Berichterstattung zu den Erfahrungen der vier Betroffenen, eines Vertreters des Hessischen Landesamts für Umwelt und Geologie sowie des Beraters der ÜWG äusserten die rund 120 Anwesenden ihre Kritik und Besorgnis – sei es an der grundsätzlichen Nutzung der Geothermie oder am Vorgehen einzelner Projekte in Deutschlands. Die Diskussionen wurden teilweise sehr emotional geführt. Man war sich einig: Eine sorgfältige Vorbereitung, transparente Information des Betreibers und ein belastbares Konzept, wie mit mögliche Schäden umgegangen werden soll, sind absolut zentral. Daran wird sich ÜWG messen lassen müssen, wenn sie ein Projekt „mit und nicht gegen die Bevölkerung“ realisieren will. Der Beirat soll diese Aspekte in seiner Arbeit integrieren und Sicherungen einfordern. Entsprechende Forderungen fanden viel Applaus und zeigten deutlich, was beschäftigt. Alleine auf Vertrauen gegenüber der ÜWG wollten die Anwesenden nicht setzen. Die Fragen zielten ebenso auf Transparenz bei der Bohrung und im Betrieb, der Verbindlichkeit des Genehmigungsverfahren sowie der Rolle der Aufsicht.

Breites Meinungsspektrum
Einige Votanten übten grundsätzliche Kritik an der tiefen Geothermie. Aus ihren Erfahrungen und Überlegungen seien „die Finger davon zu lassen“. Zahlreiche andere Teilnehmende betonten aber auch, dass sie nicht grundsätzlich gegen Geothermie sind, sie aber klare Sicherheiten in den angesprochenen Themen bräuchten. Auch wenn im Saal zu Beginn die kritischen Stimmen überwogen, zeigten sich gegen Ende auch Befürworteter, die u.a. auf die Notwendigkeit der Energiewende und der dezentralen Stromproduktion hinwiesen. Ein zwar für die Gesamtbevölkerung nicht repräsentatives Stimmungsbarometer zeigte denn auch, dass sich kein Schwarz und Weiss abzeichnet. Neben vielen Pro- und Kontrastimmen forderten viele v.a. klare Auflagen für ein sicheres Projekt, das von allen getragen werden kann. Entsprechende Versprechen der ÜWG wurden aufmerksam zur Kenntnis genommen – und werden zukünftig wohl auch eingefordert. Dies gilt insbesondere für die Aussage des Geschäftsführers der ÜWG, dass „Sorgfalt vor Geschwindigkeit“ gehe. Wertgeschätzt wurde auf jeden Fall, dass sich das Unternehmen die Zeit für den gesamten Dialogprozess nimmt, um aufgrund der dabei gemachten Erkenntnisse über das „ob“, „wo“ und „wie“ eines möglichen Geothermieprojekts in Groß-Gerau zu entscheiden. Zu einem solchen Prozess gehöre eben auch, dass Kritiker und Betroffenen ausreichend Platz eingeräumt werde - wie am gestrigen Bürgerforum in über dreieinhalb Stunden geschehen.

Beirat formuliert Positionspapier für Schlussforum
Der Bürgerdialog zum Geothermieprojekt der ÜWG läuft nun bereits seit Ende 2012. Nach vier Bürgerforen und ebenso vielen Beiratssitzungen wird in den nächsten Wochen der Beirat seine Forderungen an die ÜWG in den vier Themenfeldern Umwelt- und Flächenschutz, Wertschöpfung und Nutzenoptimierung, Risikobewertung und -regulierung sowie Information und Kommunikation formulieren. Diese Positionspapiere sollen den Anliegen der Bürgerinnen und Bürger eine konkrete Form geben. Am Schlussforum gegen Ende April findet eine Integration der Ergebnisse des Bürgerdialogs statt und der Beirat wird seine Forderungen an die ÜWG präsentieren. Informationen zu neuen Terminen werden auf www.dialoggeo.de und via Presse zeitnah zu Verfügung stehen.

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